Wenn Michaela Hares mit ihren beiden Border Collies in einen Bettwanzen-Einsatz geht, erntet das Suchteam immer viel Anerkennung: "Die Leute sind beeindruckt, wie gut und konzentriert die Hunde suchen", sagt die Tiertrainerin. Murot und Fosco sind dann voll in ihrem Element. Sie freuen sich, endlich zeigen zu können, wofür sie lange trainiert haben.
Michaela Hares lebt im Dorf Musweiler in der Eifel und hat bereits seit ihrer Schulzeit eine große Leidenschaft für Hunde. Sie ist Tiertrainerin, Buchautorin und Referentin für verschiedene Seminare. Mit Viviane Theby und Lisa Peitz leitet sie die Tierakademie Scheuerhof. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit mit Murot und Fosco ist mittlerweile das Suchen und Aufspüren von Bettwanzen und anderen Schädlingen. "Schon vor vielen, vielen Jahren hatte ich Lust, mit den beiden Nasenarbeit zu machen, weil sie eine sinnvolle Beschäftigung ist und die Tiere gut auslastet." Michaela Hares' erste Idee war, Landwirte zu unterstützen und die Hunde brünstige Kühe anzeigen zu lassen. "Das hat funktioniert, war aber viel Aufwand", sagt sie heute.
Zum ersten Bettwanzen-Einsatz mit dem Kammerjäger
2012 fiel ihr dann ein Artikel über das Aufspüren von Bettwanzen in den Schoß: "Das fand ich sofort spannend!" Allerdings fragte sie sich, woher sie die Bettwanzen für das Training bekommen sollte. Sie begann, Schädlingsbekämpfer – die viele auch als "Kammerjäger" kennen – anzuschreiben. Die meisten waren nicht an einer Zusammenarbeit mit der Hundetrainerin interessiert. Aber dann meldete sich Detlev Lergon von DELEX Schädlingsmanagement bei ihr zurück. Er konnte sich gut vorstellen mit Michaela Hares und ihren Hunden in Bettwanzen-Sucheinsätze zu gehen. "Detlev hat selbst einen Hund und viel Spaß am Experimentieren", sagt Michaela Hares.
So kam es, dass sie 2015 ihren ersten gemeinsamen Einsatz gegen Bettwanzen hatten. Michaela Hares erinnert sich noch gut daran: "Wir haben unser Bestes gegeben. Ich war mir sicher, dass meine Hunde gut darauf vorbereitet waren und Schädlinge aufspüren konnten. Aber ich wusste nicht, wie es mit der Zusammenarbeit funktionieren würde." Tatsächlich kam die ein oder andere Überraschung auf sie zu: "Ich habe zum Beispiel nicht damit gerechnet, dass Detlev sofort mit seiner Lampe zur Matratze rennt, wenn ein Hund länger daran schnüffelt." Heute ist ihr klar, dass der Kammerjäger sich so schnell wie möglich die Stelle, an der die Hunde anzeigen, anschauen will – bevor die Bettwanzen vielleicht schon wieder weg sind.
Mittlerweile habe sich die Zusammenarbeit gut eingespielt, sagt Michaela Hares. Immer wieder sind sie gemeinsam in Hotels und Pensionen, aber auch in Privatwohnungen im Einsatz. Oft rufen Leute den Schädlingsbekämpfer, wenn sie gerade aus dem Urlaub wiedergekommen sind und befürchten, aus einer Jugendherberge Bettwanzen eingeschleppt zu haben. "Bettwanzen sind kein Hygiene- sondern ein Verschleppungsproblem", weiß Michaela Hares.
Lies auch: Start in den Traumjob: Wie werde ich eigentlich Hundetrainer?
Vorteile von Spürhunden im Anti-Bettwanzen-Einsatz
Murots und Foscos Hilfe ist immer dann gefragt, wenn der Kammerjäger selbst nichts sehen kann. Manchmal hat er Hinweise auf die Schädlinge wie Kotspuren, findet aber nichts. "Bettwanzen verstecken sich zum Beispiel oft in den Ritzen beim Bett und kommen erst raus, wenn die Leute schlafen", erklärt Michaela Hares. Die Hunde riechen den Befall aber auch, wenn für den Menschen nichts sichtbar ist oder nur einzelne Wanzen da sind. So können Murot und Fosco die Arbeit des Schädlingsbekämpfers gut ergänzen. "Und für mich sind die gemeinsamen Einsätze auch die beste Möglichkeit, effektiv zu arbeiten, weil Detlev die Schädlinge dann direkt bekämpfen kann", sagt Michaela Hares. Behandelt werden die Bettwanzen meistens mit großer Hitze. Allein im Einsatz könne sie den Leuten anschließend nur einen Bericht schicken, wo die Hunde Bettwanzen angezeigt haben. Wenn der Schädlingsbekämpfer dann kommt, können die Wanzen aber schon wieder an einer anderen Stelle sitzen.
"Sehr praktisch sind die Hunde auch, wenn eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus befallen ist", sagt Michaela Hares. Dann werden Murot und Fosco zur Kontrolle auch durch die anderen Wohnungen geschickt. "Mit den Hunden arbeiten wir schneller." Auch nach der Behandlung einer mit Bettwanzen befallenen Wohnung ist das Suchteam oft noch im Einsatz und schaut nach, ob alle Schädlinge tot sind. "Darum trainiere ich mit den Hunden auch nur das Anzeigen von lebenden Bettwanzen", erklärt Michaela Hares. Wenn die Hunde nach der Behandlung nicht mehr anzeigen, ist klar: Dann gibt es in der Wohnung wirklich keine Bettwanzen mehr.
So lernen Hunde das Aufspüren von Bettwanzen
Um mit Murot und Fosco trainieren zu können, hat Michaela Hares immer lebende Bettwanzen bei sich zu Hause. "Das muss man schon wollen", sagt die Tiertrainerin und grinst. Auch wenn die Wanzen in kleinen Röhrchen aus Plastik oder Glas eingesperrt sind, könnten sie im ungünstigsten Fall ausbüxen. "Das ist bei mir aber noch nie passiert", sagt Michaela Hares. Mit diesen Geruchsmustern trainiert sie Murot und Fosco für die Einsätze. Wenn sie den Geruch der Bettwanze finden und anzeigen, bekommen sie eine Belohnung. Um ihren Fund anzuzeigen, halten sie die Nase nah an die Wanze und verharren. Im Laufe des Trainings hat Michaela Hares die Wanzen immer besser versteckt, sodass es für ihre Hunde schwieriger wurde, sie aufzuspüren. Wichtig sei, dass sie mit verschiedenen Behältern trainiere, damit sie den Geruch wirklich mit den Wanzen und nicht mit dem Behälter verknüpfen.
Lies auch: Nasenarbeit mit Anna Weber – Jeder Hund kann ein Spürhund sein
Bei den meisten Einsätzen finden Michaela Hares und ihre Hunde nichts, weil es doch keine Bettwanzen gibt. "Oft sind die Leute besorgt, weil sie aus dem Urlaub kommen und vielleicht Stiche haben." Jeder kennt es: Man muss nur an die kleinen Krabbeltierchen denken und schon juckt es.
Die größte Herausforderung bei der Bettwanzen-Suche
Auch für diesen Fall muss Michaela Hares Murot und Fosco trainieren: Sie sollen schließlich auch weitersuchen, wenn sie nichts finden. "Es muss einem bewusst sein, was Hunde da leisten müssen", sagt Michaela Hares. "Ich übe also auch mit ihnen, dass sie motiviert weitersuchen, wenn sie nichts anzeigen können." Das sei vielleicht sogar die größere Herausforderung im Training. "Wenn sie am Ende gar nichts finden, belohne ich sie aber für andere Dinge wie zum Beispiel fürs Weitersuchen."
"Meine Rolle bei den Einsätzen ist, die Hunde dabei zu begleiten", sagt Michaela Hares. Dabei achte sie vor allem auch darauf, dass sie als Team in den fremden vier Wänden sensibel vorgehen. "Die Hunde bekommen Schuhe an, damit sie nichts zerkratzen. Auch führe ich die Hunde so, dass nichts umfällt und zu Schaden kommt." Dass am Ende ein paar Hundehaare auf dem Bett liegen, bleibe nicht aus. Darauf bereite sie die Menschen aber vor. Auch sei ihr bewusst, dass viele Menschen Angst vor Hunden haben. Darum dürfen Murot und Fosco nicht zu den Leuten laufen, um sie zu begrüßen. Während dem Einsatz führt Michaela Hares ihren Kunden einmal vor, wie es aussieht, wenn die Hunde Bettwanzen finden und diese anzeigen. Dafür versteckt sie zunächst eine Probe.
So anstrengend ist ein Einsatz für die Spürhunde
Nach einem Einsatz, der insgesamt drei bis vier Stunden dauern kann, sind Murot und Fosco sehr müde. Zwischendurch machen die Hunde Pause, wechseln sich ab. "Zwei Hunde im Einsatz sind optimal, weil wir so einfach schneller sind." Michaela Hares kann sie nach ihren Stärken einsetzen. Trotzdem sei es anstrengend für die beiden, auch weil die Tiere sich oft in für sie viel zu heißen Wohnungen bewegen. Michaela Hares ist jedes Mal beeindruckt, wie gut sie sich auf die beiden verlassen kann. "Auch Murot, der Jüngere, der sonst oft wild und ungestüm ist, ist im Einsatz nur auf die Bettwanzen fokussiert." Mittlerweile können die beiden auch viele andere Schädlinge anzeigen – Papierfischchen und amerikanische Schaden zum Beispiel. Sie brauchen nur die Geruchsproben, um diese zu erkennen.
Ansonsten sucht Michaela Hares mit Murot und Fosco auch nach verlorenen Gegenständen – Schlüsseln, Handtaschen, allem, was nach Mensch riecht. Der Vorteil: Für diese Art von Nasenarbeit muss man keine Bettwanzen zu Hause halten. Michaela Hares will aber weitermachen mit der Schädlingsbekämpfung und dem Trainieren von Geruchsmustern. "Auch wenn es mir niemand so recht glaubt: Ich mag Schädlinge schon sehr." Am meisten mag sie aber die Zusammenarbeit mir ihren Hunden: "Es ist immer wieder ein großes Erlebnis, wie wir uns aufeinander verlassen können."
Mehr Informationen findest du auch in den Büchern, die Michaela Hares als Co-Autorin geschrieben hat:
- Suchen Finden Zeigen: Das Spürhundebuch für Training und Einsatz (Michaela Hares & Jacqueline Koerfer & Katja Krauß)
- Das große Schnüffelbuch: Nasenspiele für Hunde (Das besondere Hundebuch von Viviane Theby und Michaela Hares)
Lies auch:
Ausbildung zum Assistenzhund: Ein Wegbegleiter, der das Leben verändert
Apportieren: Sabine Schinner über Tricks und Tücken beim Dummytraining
Agility und Co.: Welcher Hundesport passt zu dir und deinem Hund?